„Selig, die arm sind vor Gott …“
Seit einiger Zeit kann es vorkommen, dass Frauen und Männer, die im Gottesdienst die Lesungen oder das Evangelium vortragen, über einen der Texte „stolpern“, weil er plötzlich anders lautet, als sie es gewohnt sind, wenn sie das schon längere Zeit machen. Die „neue Einheitsübersetzung“ von 2016 ist in den gottesdienstlichen Büchern angekommen. Nach und nach werden die bisher gebrauchten Bücher ersetzt, insgesamt auch ein erheblicher Kostenaufwand, aber da ist nichts zu machen.
Bei manchen Texten schaue ich etwas genauer hin und denke: Wie wird das jetzt lauten? Z. B. die Seligpreisungen im heutigen Evangelium. Eine Zeit lang wurde „selig seid ihr“ mit „wohl euch“ übersetzt, da wurden die Seligpreisungen zu „Wohligkeiten“; aber das wurde schon bald wieder rückgängig gemacht. Insgesamt scheint mir, dass man sich bei den ganz bekannten Texten der Bibel eher zurückgehalten hat und sie nicht zu stark verändert hat. Manche erinnern sich vielleicht noch an den Aufstand, als das „Vater unser“ und das „Gegrüßet seist du, Maria“ verändert wurden, als aus Weibern Frauen wurden, aus dem Übel das Böse usw. Insgesamt aber sind die Änderungen schon weitreichend, und z. B. bei den Briefen das Apostels Paulus erkennt man manche Sätze erst mal gar nicht wieder. Das wiederum kann auch eine Chance sein, noch mal bewusster zu lesen und zu hören, ohne gleich zu denken: Ach ja, kenn ich, alles klar! Mit der Bibel wird man ein Leben lang nicht fertig, und das ist auch gut so. Alles andere wäre doch langweilig, und wenn die Bibel eines nicht ist, dann langweilig.
Gerade fällt mir ein: diesen Sonntag ist „Bibelsonntag“. Muss man nicht wissen, aber andererseits doch auch kein schlechter Tag, um über diese Dinge nachzudenken.

Herzlich grüßt,
Pastor Manfred Plunien